IHK-Wirtschaftsgespräch in Netphen bei effexx: Austausch über Transformation, Fachkräfte und Energiefragen

„Probleme lösen sich nicht von alleine. Und wer darauf wartet, dass Chancen irgendwann zufällig vorbeikommen, der wartet unter Umständen sehr, sehr lange.“ Netphens Bürgermeister Marco Müller machte beim IHK-Wirtschaftsgespräch bei der effexx Unternehmensgruppe in Netphen deutlich, worauf es aus Sicht der Kommune ankommt: aktives Handeln, enge Zusammenarbeit und Gestaltungswille. Mehr als 60 Unternehmensvertreter waren der Einladung der IHK Siegen gefolgt, um sich über aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen und Rahmenbedingungen auszutauschen. Im Mittelpunkt standen neben der Transformation der regionalen Wirtschaft, die Fachkräftesicherung und die Zukunft der Energieversorgung.

Bürgermeister Müller hob die tiefgreifenden Veränderungen hervor, vor denen insbesondere industriell geprägte Regionen stünden. Krisen in einzelnen Branchen wirkten sich oft direkt auf die jeweilige Kommune aus. Umso wichtiger sei der kontinuierliche Dialog zwischen Wirtschaft und Verwaltung. Die Stadt Netphen verstehe sich dabei als aktiver Partner der Unternehmen – mit dem Ziel, Prozesse zu begleiten, Kontakte zu vermitteln und Entwicklung aktiv zu unterstützen. Trotz begrenzter Einflussmöglichkeiten auf globale Rahmenbedingungen wie Energiepreise oder internationale Märkte könne die Kommune vor Ort entscheidende Impulse setzen. Als Beispiele nannte Müller unter anderem die Entwicklung neuer Gewerbeflächen sowie Initiativen zur Attraktivitätssteigerung des Standorts.

Ein zentrales Zukunftsthema ist für die Stadt die Gewinnung von Fachkräften. Hier setzt das vorgestellte Projekt „Jump2Job“ an, das die Stabsstelle Kommunikation und Wirtschaft präsentierte. Ziel des neuen Formats ist es, Schüler frühzeitig und praxisnah mit regionalen Unternehmen in Kontakt zu bringen. „Jump2Job“ setzt dabei auf ein interaktives Konzept mit Mitmach-Angeboten, enger Einbindung der Schulen und einem langfristigen Ansatz zur Berufsorientierung. Rund 650 Schüler verschiedener Jahrgänge werden hierfür angesprochen. Unternehmen gestalten gemeinsam thematische Bereiche, in denen Jugendliche Berufsfelder aktiv erleben können. Das Projekt zielt darauf ab, Ausbildung als attraktiven Karriereweg sichtbar zu machen und die Fachkräftebasis in der Region nachhaltig zu stärken.

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl ordnete die aktuelle konjunkturelle Lage ein und stellte aktuelle Strukturdaten für den Standort Netphen vor. Zudem präsentierte er Ergebnisse einer aktuellen Unternehmensbefragung, die zeigen, wo der größte Handlungsbedarf aus Sicht der Betriebe gesehen wird: Neben der Höhe der Steuerhebesätze zählen vor allem steigende Energiekosten, der Mangel an qualifizierten Fachkräften, hohe Entsorgungs- und Abwassergebühren sowie Defizite bei der Breitbandanbindung zu den größten Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort. Hiervon hingen zunehmend Investitionsentscheidungen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ab.

Chance auf Einsparungen bei Energiekosten vor Ort

In der anschließenden Diskussion hob Dr. Petrico von Schweinichen, Geschäftsführender Gesellschafter der Irle Rolls GmbH, die Bedeutung wettbewerbsfähiger Energiepreise für energieintensive Unternehmen hervor. Er warb dafür, die Chancen der regionalen Windkraft stärker zu nutzen und Unternehmen aktiv an der Energieversorgung zu beteiligen. Konkret schlug er einen vernetzten Ansatz zur Nutzung örtlich gewonnener Energie vor. Irle Rolls habe sich bewusst auf diesen Pfad begeben und einen Anschlusspunkt für Energie aus dem geplanten Windpark Siegerland gelegt, der für viele weitere Betriebe interessant sein dürfte. Dr. von Schweinichen betonte zugleich, dass sämtliche Überlegungen zur regionalen Energieversorgung im Einklang mit den jeweils geltenden regulatorischen Rahmenbedingungen umgesetzt werden müssten. Zwar gebe es zahlreiche technische und wirtschaftlich interessante Ansätze, von Direktstromlieferungen über Speicherlösungen bis hin zu „Power-to-Gas“, jedoch erschwerten sich häufig ändernde Vorgaben von Gesetzgebern, Behörden und Netzbetreibern derzeit die langfristige Planbarkeit und Investitionssicherheit. Umso wichtiger seien verlässliche und dauerhaft stabile Rahmenbedingungen für Unternehmen, die bereit seien, in die regionale Energiewende zu investieren.

Weitere Schwerpunkte der Veranstaltung waren die kommunalen Finanzausstattung, steigende Kosten im Bereich Infrastruktur sowie die Attraktivität des Standorts für Fachkräfte und Familien. Deutlich wurde dabei, dass viele der angesprochenen Themen eng miteinander verknüpft sind und nur im Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik und Verwaltung gelöst werden können.

Bereits zu Beginn des Wirtschaftsgesprächs gaben Oliver und Timm Fries, beide Geschäftsführer der effexx Unternehmensgruppe, mit ihrem Team einen Einblick in die Entwicklung der Gruppe, die heute mit rund 240 Mitarbeitern an mehreren Standorten tätig ist und ein breites Leistungsspektrum von IT-Infrastruktur über Sicherheitstechnik bis hin zu Lösungen im Bereich erneuerbare Energien abdeckt. In den vergangenen Jahren wurden neue Geschäftsfelder erfolgreich konsequent ausgebaut, etwa im Bereich Photovoltaik, Energiemanagement und Ladeinfrastruktur. Gleichzeitig wurde deutlich, dass effexx den Wandel vom klassischen Anbieter zum integrierten Dienstleister aktiv gestaltet und dabei auf Innovation, Partnerschaften und eine klare Serviceorientierung setzt.