Schulisches Mobilitätsmanagement
Temporäre Schulstraße während Mobilitätswoche
Wie können kritische Verkehrssituationen für Kinder im Nahbereich von Schulen vermieden und die Schulwege sicherer gemacht werden? Um Antworten auf diese Frage zu finden, hat die Stadt Netphen während der diesjährigen Europäischen Mobilitätswoche (EMW) testweise eine Straße im Umfeld der Anita-Ruth-Faber-Sekundarschule für den Verkehr gesperrt.
Bei der Aktionswoche „Schulstraße“ wurde der Steinweg im Zeitraum vom 16.-22.09.2025 jeden Morgen von 07:15 bis 08:00 Uhr temporär zur Schulstraße. Die Elternhaltestellen wurden in der Wiedichstraße eingerichtet.
Teile der Schulstunden wurden auf die gesperrte Straße verlagert und dabei Englischvokabeln sowie Matheaufgaben auf spielerische Art und Weise vermittelt oder eine Sportstunde mit dem Thema Parcours durchgeführt. Daneben gab es viele weitere Spiel- und Mitmachaktionen auf der Straße.
Ein besonderes Highlight war das Nachbarschaftsfrühstück, zu dem die Sekundarschule eingeladen hatte. Viele Anwohnende aus dem Steinweg waren der Einladung gefolgt und nutzten die Möglichkeit, sich in gemütlicher Runde mit den Schülern und Lehrkräften auszutauschen. Gefördert wurden die Aktionen über das vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV NRW) geförderte Programm „Örtliche Verkehrssicherheitsaktionen“.
Um die Ergebnisse der Aktionswoche auszuwerten, wurden stichprobenartige Verkehrszählungen durchgeführt. Außerdem ist im Nachgang eine Umfrage geplant. Die Stadt Netphen bedankt sich bei der Sekundarschule für die gute Zusammenarbeit und Organisation und bei allen Anwohnenden für das Verständnis der Straßensperrung.
Theaterstück "Abgeschnallt": Die Sache mit den Elterntaxis
„Abgeschnallt“ lautete der Titel eines Theaterstücks, das Mädchen und Jungen aus der Grundschule Dreisbachtal und der Johannlandschule Hainchen gemeinsam im Gymnasium Netphen besuchten.
Dabei ging es um Themen aus der Verkehrserziehung. Die fünf Darsteller auf Bühne griffen in ihrem Spiel zum Beispiel die Problematik der „Elterntaxis“ auf. Außerdem ging es kindgerecht um die Frage: Wie verhalte ich mich richtig im Straßenverkehr? Für eine Nachbereitung im Unterricht stand geeignetes Material zu Verfügung. Das Theaterprojekt wurde gefördert vom Verkehrsministerium NRW und fand im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche 2025 der Stadt Netphen statt.
Jule, Karacho, Zebra, Bordo und Plinki fragten sich – und ihre Zuschauer –, was wichtig und richtig ist, wenn man sich in einen Verkehrsteilnehmer verwandelt.
Schulwege rund um das Gymnasium sollen sicherer werden
Im Juli 2025 ist der Startschuss für das Projekt „Schulisches Mobilitätsmanagement für das Gymnasium Netphen“ gefallen. In einem gemeinsamen Termin mit Verwaltung, Schulleitung und Polizei stellte das beauftragte Planungsbüro bueffee eGbR den vorgesehenen Projektfahrplan und die inhaltlichen Bestandteile vor.
Das Problem der Elterntaxis macht auch vor weiterführenden Schulen nicht Halt. Ein unattraktiver ÖPNV, viele Steigungen für Radfahrende oder gefährliche Situationen im Straßenverkehr sorgen dafür, dass Eltern ihre Kinder vielerorts noch mit dem Auto zur Schule bringen. Durch die Lage der Schule im Wohngebiet mit schmalen Wohnstraßen und angrenzenden Kindertagesstätten sind außerdem viele verschiedene Interessen zu berücksichtigen.
Wo müssen sichere Querungsmöglichkeiten geschaffen werden? Welche Standorte eignen sich für Elternhaltestellen? Besteht die Möglichkeit der Einrichtung einer Schulstraße? Mit diesen und weiteren Fragen wird sich das Planungsbüro in den nächsten Monaten intensiv auseinandersetzen. Im Projektverlauf sind unter anderem Schülerbefragungen, Schulwegchecks, Workshops und ein gemeinsames Projekt mit den Schülerinnen und Schülern vorgesehen. Da verschiedene Interessengruppen und externe Akteure zu beteiligen sind, spielt auch eine gute Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit eine zentrale Rolle.
Ziel des Projektes ist vor allem, die Verkehrssituation rund um das Gymnasium Netphen zu verbessern und die Schulwege sicherer zu gestalten. Gleichzeitig steht die Förderung der eigenständigen Mobilität der Schülerinnen und Schüler sowie das Aufzeigen von verschiedenen Mobilitätsoptionen (ÖPNV, Radverkehr, Fußverkehr) für die Eltern im Fokus. Die Stadt Netphen freut sich auf die gemeinsame Arbeit an dem Projekt.
Mobilitäts-Workshop 2024
Verwaltung, Politik, Schulleitung, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler diskutierten bei einem Workshop zum schulischen Mobilitätsmanagement am 24. April 2024, wie die Wege zur Schule sicher und eigenständig zurückgelegt werden können.
Das Problem der Elternhaltestellen macht auch vor weiterführenden Schulen nicht Halt. Da, wo der ÖPNV eher selten fährt und starke Steigungen das Radfahren wenig attraktiv machen, werden vielerorts noch Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen zur Schule gebracht. Die Lage der Schule in Wohnorten mit schmalen Wohnstraßen und anliegenden Kindertagesstätten macht es hier fast unmöglich, die Interessen der unterschiedlichen Akteure zusammenzubringen und sichere Schulwege aufzuzeigen.
In der Stadt Netphen wurde dieses Problem nun in einem Workshop diskutiert und ein Weg überlegt, auf den sich die Akteurinnen und Akteure verständigen konnten.
„Das Problem des eher unzuverlässigen ÖPNV und unattraktiven Umsteigesituationen werden im neuen Nahverkehrsplan angegangen, da ist die Stadt Netphen mit dem Kreis in Gesprächen“, so Corinna Buro, Mobilitätsmanagerin der Stadt Netphen, die den Workshop von Seiten der Stadt organisiert hat.
Der Workshop bot mit der Methode des Backcasting Tools die Möglichkeit, die Schritte zur Vision der Teilnehmenden, einem sicheren und attraktiven Schulweg der Schülerinnen und Schüler, aufzuzeigen. Ob die Lösung am Ende der von einigen Teilnehmenden vorgeschlagene Sessellift zur Schule ist, eine Schulstraße eingerichtet wird oder andere wirksame Maßnahmen gefunden werden, soll im Rahmen eines Mobilitätskonzeptes für den Schulstandort analysiert und erörtert werden. Dafür möchte die Stadt Netphen Fördermittel aus der Förderrichtlinie Vernetzte Mobilität und Mobilitätsmanagement in Anspruch nehmen.
„Wie hoffen, dass wir in Zukunft den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben können, den Weg zur Schule sicher zu Fuß zurückzulegen, ob von Zuhause, der Bushaltestelle oder einer möglichen Hol- und Bringzone“, bringt Beigeordneter Andreas Fresen den Wunsch der Teilnehmenden zum Ausdruck.
Dass der Weg hoch zur Schule auch mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann, zeigen schon einige wenige Schülerinnen und Schüler, die im Rahmen einer Kurzumfrage im Vorfeld des Workshops befragt wurden. Hier gibt es durch eine bessere Infrastruktur noch viel Potential. „Pedelecs und E-Scooter sind für über 14-jährige mittlerweile eine gute Alternative, um auch Steigungen zur Schule zu überwinden. Sie müssen aber sicher abgestellt werden können und ihren Platz im Straßenraum haben“, findet Carsten Elkmann vom Büro Elkmann Klimaschutz & Mobilität, der den Workshop mit seiner Praxiserfahrung begleitete. Derzeit unterstützt er bereits die Stadt Hilchenbach beim schulischen Mobilitätsmanagement und ist in vielen weiteren Kommunen unterwegs. „Bisher hat sich bei Umfragen an anderen Schulen gezeigt, wer Fahrrad fährt, wünscht sich keine andere Option für den Schulweg.“