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"Prachtexemplar auf der Orgelbank" 
Deuzer Organistin Heide Flache nach 55 Jahren verabschiedet

Wenn Pfarrer Tim Winkel in den vergangenen Jahren Heide Flache auf sein Pfarrhaus zulaufen sah, ein Liedblatt in der Hand, dann wusste er schon, was die Organistin gleich sagen würde: „Herr Winkel, wir können doch mal…“ Neue Lieder hatte sie dann mitgebracht oder Ideen, wie man Wort und Musik im Gottesdienst auf eine neue Weise zusammenführen kann. „Sie behalten den Anschluss an neue Musik“, sagte Winkel im Gottesdienst am Sonntag in der Deuzer Kirche, mit dem die 79-Jährige als Organistin verabschiedet wurde. Mit Heide Flache habe er immer neue Dinge ausprobieren können – zuletzt in den Podcasts der Gemeinde, die in Corona-Zeiten entstanden. 55 Jahre lang war sie Organistin der ehemaligen Kirchengemeinde Deuz, die Anfang 2021 in der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Dreieinigkeit aufgegangen ist.

Heide Flache sei ein „ganz besonderes Prachtexemplar“ auf der Orgelbank, zitierte Winkel Kreiskantorin und Kirchenmusikdirektorin Ute Debus. Sie selbst konnte aufgrund eigener kirchenmusikalischer Verpflichtungen nicht am Verabschiedungsgottesdienst teilnehmen, ließ aber ihre herzlichen Grüße ausrichten. Heide Flache kenne die Orgeln aller Kirchen und Kapellen rund um Deuz, aber auch die Instrumente auf den Friedhöfen, betonte Winkel. Bis zuletzt habe sie dafür gesorgt, dass die Orgeln in Deuz und Rudersdorf gut in Schuss blieben. Über allem stehe das Motto: Soli Deo Gloria – Allein Gott zur Ehre. „Das sind keine Konzerte am Sonntag, das ist keine Show, sondern wir wollen Gott loben – dazu dient die Kirchenmusik“, sagte der Pfarrer.

Erste Erfahrungen im Organistendienst sammelte Heide Flache, als sie 1960, noch als Schülerin, auf Bitten von Pastor Friedrich Wilhelm Schmidt die Vertretung des zur Bundeswehr einberufenen Organisten in der kleinen Kirche in Werthenbach übernahm. Aus der Vertretung wurden drei Jahre, bis sie nach dem Abitur zum Lehramtsstudium nach Wuppertal ging. Dort absolvierte sie parallel die Ausbildung zur nebenamtlichen Kirchenmusikerin. Pfarrer Paul Gerhardt Arnold stellte Heide Flache dann 1970 als Organistin an der evangelischen Kirche in Deuz an. Dass sie später auch als junge Mutter weiter für die Gemeinde musizieren konnte, verdankte die Deuzerin ihrer Mutter: Sie kümmerte sich um die Kinder, wenn Heide Flache nicht nur während der Gottesdienste an der Orgel saß, sondern auch in den Übungszeiten, die zum Dienst als Organistin dazugehören. Die Leidenschaft zur Musik hat sie an ihre Kinder weitergeben: Eine ihrer Töchter, Friedegund Läpple, gestaltete den Verabschiedungsgottesdienst am Sonntag zusammen mit Sandra Lichte-Schneider musikalisch.

„Mein Hauptanliegen war immer, dass die Gemeinde richtig fröhlich mitsingen kann“, sagt Heide Flache selbst. Immer wieder habe sie dazu neue Stücke eingeübt, ob auf der Orgel oder dem E-Piano, und auch gern mit anderen Musikern zusammengespielt. Die Bandbreite reichte von Saxophon und Trompete über die Blockflöte bis hin zum Alphorn und Dudelsack. Bereits 2007 hatte sie ursprünglich vor, in den Ruhestand zu treten. Doch dann kam die neue vollmechanische Orgel in die Deuzer Kirche – ein gebrauchtes Instrument aus der entwidmeten Kirche in Gelsenkirchen-Ückendorf, das die Gemeinde auf Initiative von Heide Flache und ihrem Ehemann Christoph erwarb und im Chorraum aufstellte. „Mit der neuen Orgel war ich so glücklich, da konnte ich nicht aufhören“, sagt Heide Flache. Nun, 15 Jahre später, sei es aber an der Zeit für einen Abschied. Ganz geht sie indes nicht, auch wenn ihr Vertrag offiziell aufgelöst ist: Einmal pro Monat dürfe er Heide Flache weiterhin in den Kirchenmusikplan eintragen, freut sich Pfarrer Winkel. Und betont zugleich: Kirchenmusikalischer Nachwuchs wird in der Gemeinde dringend gesucht.

Jasmin Maxwell-Klein