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Peter Finger und Dominik Jung begeisterten im Alten Feuerwehrhaus

Veranstaltungsbericht

Peter Finger
Peter Finger

Guitarcosmos - Gitarrenkonzert am 04.10.2013, Text. Anne Weber

Ein Stuhl und eine minimalistisch schlanke Lautsprechersäule, mehr brauchte es nicht: Mit Peter Finger hatte sich das Kulturforum Netphen ein Universalgenie an der Steelstring-Gitarre  eingeladen, und er bescherte dem Publikum im ausverkauften Alten Feuerwehrhaus einen unvergesslichen Instrumental-Abend auf  sechs Stahlsaiten. Unter nachfolgendem Link können Sie sich einen Eindruck davon verschaffen:
http://www.youtube.com/watch?v=T6QNYd5t408 

Gitarre pur und vielseitig

Zum Auftakt präsentierte Dominik Jung, Musikdozent der Universität Siegen, bereits einen weiten musikalischen Bogen von japanischen über afrikanisch angehauchte Melodien bis hin zu einer Interpretation von „Flucht der Liebenden durch das Tal der Echos“ des kubanischen Gitarristen Leo Brouwer, bevor Peter Finger, einer der wichtigsten zeitgenössischen Fingerstyle-Gitarristen, die Bühne betrat und das Publikum in seinen Kosmos aus Stücken mitnahm, die mal  geprägt waren von schwebender Leichtigkeit, mal von schwerer und melancholischer Stimmung.

New York - Tokio - Moskau - Netphen

Anekdotenreich führt er die Zuhörer in seine Stücke ein und gab an, er sei mittlerweile erleichtert, nun endlich auch in Netphen aufzutreten. Wenn er nämlich „mal wieder in New York, Tokio oder Moskau sei“, könne er endlich seinem dortigen Publikum, da wiederholt danach gefragt, ob er denn auch schon in Netphen aufgetreten sei, dies nun endlich mit „ja“ beantworten. Seine witzsprühenden Einführungen zogen sich, vom Publikum häufig mit heiterem Lachen aufgenommen, durch viele Stücke seines mittlerweile mindestens 20 Alben umfassenden Oeuvres. Eins der Stücke, „Onkel Frederic“, blieb ebenfalls nicht ohne entsprechend schmunzelnden „Seitenhieb“ auf seine Frau, von der er sich eigentlich gewünscht hätte, dass sie aufgrund seines „musiklastigen“ Elternhauses – u. a. war sein Vater ein berühmter Dirigent -  eher nichts mit Musik im Sinn gehabt hätte, jedoch hatte  sich zu allem Überfluss wohl bei Nachforschungen herausgestellt, dass eben der weltbekannte Komponist Frederic Chopin ein Vorfahr von ihr sei.

Große Bandbreite

Von impressionistischen, beschwingten Stücken wie „Dream Dancer“ ging es u.a. über eine nur 20‑sekündige Darbietung, sein „kürzestes“ Stück und eingängige Arrangements wie „Passing Clouds“ bis hin zu traurigen und melancholischen Kompositionen wie „Requiem For a Best Friend“, das einem am Alkoholsucht verstorbenen Freund gewidmet ist. Mit dem rockigen und, wie Peter Finger ausführte, „scheppernden und krachenden“ Stück „Open Strings“, das er anlässlich eines selbst organisierten Festivals, ohne es zu wissen, im Beisein seines Vaters zum Besten gab, blieb für ihn glücklicherweise die Schelte des gestrengen Herrn aus, der ihn stattdessen überraschend mit Lob überhäufte. Mit der für das geistige Auge virtuosen Interpretation des vorher interpretierten Gedichts „Der Totentanz“ von J. W. v. Goethe bot Peter Finger eine nie dagewesene Bandbreite an „finger“-fertiger Solo-Musik, mit der ihn das restlos begeisterte Publikum nach einer weiteren, letzten Zugabe schweren Herzens wieder von Netphen in Fingers musikalisches Weltall zwischen New York, Moskau und Tokio verabschieden musste.