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Solar Plexus beim Kulturforum Netphen am 8.12.2017

Netphens kleine „gute Stube“, das Alte Feuerwehrhaus, war erneut Schauplatz eines mitreißenden Konzerts mit der Jazz-Formation Solar Plexus, die mit dem neu zur Formation gestoßenen Bonner Ausnahme-Musikers Igor Lazarev einen Gitarristen der Extraklasse mit an Bord hatte und die das Publikum mit fulminanten Jazz-Rhythmen und virtuosem Saxofon-, Posaunen- und Gitarrenspiel mächtig einzuheizen vermochte.

Solar Plexus im Alten Feuerwehrhaus © Arnd Uwe Dreute
Solar Plexus im Alten Feuerwehrhaus © Arnd Uwe Dreute

Nach dem Auftakt mit „Tell it like it is“ von Aaron Neville kam Peter Hayduk, der amüsant und kenntnisreich durch die Stücke führte und den Bass bediente, auf die Jahreszeiten und ihre eigentümlichen Traditionen zu sprechen, die die Band immer wieder in ihren Stücken thematisierte, jedoch kredenzte die Band statt der Weihnachtsgans im weiteren Verlauf musikalisch im Stück „Cold Duck Time“ dann doch eine musikalische Advents-Ente. Dargeboten in einer eigenen Version und mit einem herausragendem Solo des Posaunisten, Philipp Hayduk, wie auch des Keyboarders, Bernhard Misiak, riss dieses Lied das Publikum bereits zu Anfang zu begeistertem und spontanem Szenenapplaus hin.

Solar Plexus im Alten Feuerwehrhaus © Arnd Uwe Dreute
Solar Plexus im Alten Feuerwehrhaus © Arnd Uwe Dreute

Nach dem der momentan ebenfalls herrschenden Karnevalszeit huldigenden Stück „Masquerade“, in dem der Schlagzeuger Bernd Vomhof seine Virtuosität in einem grandiosen Schlagzeugsolo demonstrierte, kam die „Jugendabteilung“ von Solar Plexus zum Zuge, und Peter Hayduks Sohn Philipp stellte mit seinen erst 17 Jahren dem selbst komponierten Stück „Rainy Friday“ seine Professionalität mit Zug und Stoß an der Zugposaune eindrucksvoll unter Beweis. Mit „Top Spin“, einem eigens interpretierten Stück des weltbekannten Gitarristen Bruno Müller, dem „Road Song“ von Wes Montgomery, der in Anbetracht des am Freitag so plötzlich eingetretenen Schneeeinbruchs eine ganz besondere Bedeutung erlangte und einem überragenden Gitarrensolo von Igor Lazarev in „Pick up the Pieces“ mit dem Publikum als Chor, wurde vor der Pause noch mit „The Chicken“ von Jaco Pastorius ein leckerer musikalischer Appetithappen kredenzt, der neugierig auf das zweite Set des Abends machte.

Mit bekannten Jazz-Standards wie dem legendären „Sister Sadie“ von Horace Silver aus 1959, einem also mittlerweile fast 60 Jahre alten Jazz-Klassiker, oder auch Herbie Hancocks „Chameleon“, wusste die Band das Publikum bestens zu unterhalten und Querflöten- wie auch Saxofon-Soli von Barbara Holfeld drückten nicht nur dem feurigen Stück der brasilianischen Pianistin Tania Maria „Come With Me“ seine ganz eigene Note auf, auch „Save Your Love For Me“, und „Coming Home“, passend zum Abschied und Ausklang eines wieder einmal begeisternden Abends, erhielten durch Barbaras satte Saxofon-Riffs wie auch durch Igors erstklassige Gitarreneinlagen und nicht auch zuletzt Philipp Hayduks meisterlichen Posaunensound ganz neue Bedeutung. Erst mit der eigenen Interpretation der Zugabe „Love for Sale“, einem funky gespielten Stück von Cole Porter, ließ das Publikum die Band von der Bühne des Alten Feuerwehrhauses, das seinem Ruf eines anheimelnden und gemütlichen Veranstaltungsortes in Netphen wieder einmal voll und ganz gerecht wurde.

Text: Anne Weber