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Kücükaya-Quartett konzertierte in gut besetztem Haus

Zu einem besonderen kammermusikalischen Ereignis hatte das Kulturforum Netphen eingeladen.

Edvard Griegs g-Moll Streichquartett, 1877/78 komponiert, und Claude Debussys einziges, 1893 vollendetes Streichquartett g-Moll, versetzten durch einzigartige Verve der Darbietung des neu gegründeten Streichquartettes „Kücükaya“ in einen vielschichtigen Klangraum der unterschiedlichsten Stimmungen, deren Spektrum vom Drama über Empfindsamkeit bis zum wilden Tanz reichten. In romantischer Verbundenheit gerieten beide etwa 40-minütigen Werke zwar zur leidenschaftlichen Hommage an die faszinierende Weite des Fluges der Phantasie, die zugleich kontrastierende Bilder entwarf. Zunächst rissen Griegs vielfarbig schillernden Klangmetamorphosen eines über alle Einbrüche vorwärtsdrängenden Lebensstromes die Hörer in ihren Bann: Gegen die einleitende, schicksalshafte Schwere bäumte sich ein energisches Allegro auf; der folgenden, zutiefst melancholischen Romanze widersetzte sich erneut das unruhige, an Kraft bis zum Finale in einem wilden Saltarello gesteigerte Allegro.

20171202_Kükükaya © Kulturforum Netphen
20171202_Kükükaya © Kulturforum Netphen

Debussys Werk wirkte durch kontrastierende Phantasietätigkeit: Nicht leidenschaftliche, sondern der Reflexion ähnelnde 4 Sätze entwickelten Ableitungen und Veränderungen eines Themas.Vor der Folie grüblerisch wirkender Pizzicati des Anfangs wirke das folgende Violinsolo kantabler und lyrischer. Im Verlauf der vier Sätze verdichtete sich die Stimmungsthematik immer wieder, rasch wechselten Schwere und Leichtigkeit, Melancholie´und Hoffnung, Leidenschaft und Trauer, Zuversicht und Skepsis. Momente der Ruhe gewährte der Komponist selten, die Flüge dieses Phantasievogels wirkten im Unterschied zu Griegs kraftvoll pulsierenden Schwüngen meist angespannt nervös. Vielleicht bildete das Werk aufgrund dieses Schwebezustands den Abschluss seines Jugendwerks, das die Hörer der Uraufführung 1893 zu den ersten Meisterwerken des erst dreißigjährigen Komponisten zählten.

Zum wiederholten Male faszinierten Spielfreude und interpretatorisch höchst anspruchsvolle Kunst der Darbietung ihr Publikum in dieser Region: Hyeokchun Gwon und Christine Kolfhaus, beide aktive Musiker der Südwestfälischen Philharmonie, brillierten virtuos und strukturierend mit der Violine, Alice Shirowa, freischaffende Künstlerin und Musikpädagogin, mit der Viola I. Michael Kolfhaus bewies jahrzehntelange Orchestererfahrung, ebenfalls in der Südwestfälischen Philharmonie, durch seine warme, sowohl grundierende als auch akzentuierende und vertiefende Cellosprache. Auf das neue Spielprogramm darf man sich jetzt schon freuen!

Text: Dr. Ingeborg Längsfeld