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Konzert "Davy Cowan und Molly Ban" vom 6.5.2016 - Altes Feuerwehrhaus, Netphen

Es war wieder einer dieser Abende, die am liebsten nie enden sollen: Das Kulturforum Netphen hatte eingeladen zum "pan-keltischen" Abend, einem überaus gelungenen Mix aus schottischem Folk und Rock, einer Prise Dudelsack nebst einem großen Aufgebot an keltischen Musikern aus der Region: Davy Cowan aus Invergordon in den schottischen Highlands gab sich die Ehre, in einem Doppelkonzert zusammen mit Molly Ban im völlig ausverkauften Alten Feuerwehrhaus in Netphen.

16.05.06 - Davy Cowan © Kulturforum Netphen
16.05.06 - Davy Cowan © Kulturforum Netphen

Mit eingängigen, teils melancholischen, aber im nächsten Moment auch wieder heiteren und beschwingten Stücken aus seiner mittlerweile drei Solo-Alben umfassenden Diskographie eröffnete der Multi-Instrumentalist Davy Cowan den Abend mit Mundharmonika, Gitarre und Beatbox und zog das andächtige Publikum mit dem Titelsong seiner neuesten, gleichnamigen CD "Working Man" direkt in seinen Bann, passend gefolgt von "It's Summertime", das dem schon fast hochsommerlichen Wetter an dem Tag perfekt Tribut zollte. Es sind diese Erfahrungen mitten aus dem Leben, die er in seinen Songs verarbeitet, wenn er als fünffacher Vater z. B. in "16 and Reckless" von seiner pubertierenden 16jährigen Tochter singt. Aber nicht nur Songs seiner Solo-Werke, sondern auch jene aus bereits vier Alben seiner Band "Coinneach", mit der er ebenfalls in Schottland und bereits früher auch in Deutschland tourte, wie "Ice, Trees and Lullabies", sollten nicht fehlen, und natürlich auch der ein oder andere schottische Klassiker wie "Caledonia" oder "Go Lassie Go", von Davy Cowan auf unnachahmliche Weise mit dem unverwechselbaren Timbre seiner ausdrucksstarken Stimme wehmütig intoniert. Nicht zuletzt deshalb ist er in Schottland gern gesehener Mitstreiter in Konzerten zusammen mit der schottischen Folk-Rock-Legende Runrig wie auch deren ehemaligem Frontmann Donnie Munro!

Nach einem viel zu schnell verflogenen ersten Teil übernahm dann Molly Ban mit sechs Personen die Bühne und führte das Publikum eingangs mit irischen Klassikern wie "Road to Lisdoonvarna" direkt auf die grüne Insel, gefolgt von Traditionals, Jigs und Reels und witzigen Einführungen in kuriose irische Songs, gepaart mit Jürgen Narbutts Limericks "auf Siegerländer Art". Mit den beiden Neuzugängen Karin Wirth (Gesang), die mit ihrer verblüffend perfekten Singweise an große irischen Sängerinnen wie Moya Brennan erinnert, sowie dem Spanier Jose Luis Gil Vicario (Uillean Pipe, Whistle) am spanischen Dudelsack und diversen Flöten sind Molly Ban zwei wirkliche Glücksgriffe gelungen, wie diese eindrucksvoll unter Beweis zu stellen wussten. Aber ungeachtet dessen zeichnete sich jeder "Molly Baner" auf individuelle Weise an seinem Instrument aus - Fingerakrobatik an Geige und Flöten von Mechthild Hendricks wurde unterstützt von Jürgen Narbutt mit diversen Mandolinen und Gitarren, Caroline Horn brachte den typisch irischen Bodhran-Beat dazu und Gerhard Neumanns gesangliche Einlagen und Gitarren-, Banjo- und Bouzouki-Klänge vervollständigten das irische Gesamtweltbild.

So konnte der Abend nur in einem furiosen Finale beider Musikparts enden, das mit "Lord of the Dance", "Star of the County Down", "Whisky in the Jar" und sogar zwei weiteren, vom Publikum frenetisch eingeforderten Zugaben nach mehr als drei Stunden mit "Wild Rover" und dem auf den Schotten Davy Cowan zurechtgeschnittenen "What shall we do with the Drunken Scotsman" (...bring him back to Invergordon...) einen schweißtreibenden und mehr als gelungenen Abschluss fand.

Text: Anne Weber