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31.01.2018

Holocaust-Gedenktag auch in Netphen gewürdigt

Seit 1996 ist der 27. Januar der offizielle Gedenktag für die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Auch in Netphen wurde mit einer kleinen Gedenkfeier der über eine Million Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes gedacht. Im Mittelpunkt standen hierbei die ermordeten Mitglieder der Familien Faber und Lennhoff aus Netphen.

Angeregt hatte die Gedenkveranstaltung vor dem Gedenkstein auf dem St.-Peters-Platz Hartmut Prange aus Netphen. Der ehemalige Gymnasiallehrer beschäftigt sich seit Jahren u.a. mit dem Schicksal deportierter Juden aus dem Siegerland und ist auch Mitglied in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

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Die Gedenkveranstaltung sollte erinnern und mahnen zugleich. Erinnern, dass Menschen aus Netphen willkürlich deportiert und ermordet wurden, unsägliches körperliches und seelisches Leid ertragen mussten, mahnen an die Verantwortung aller, nie wieder Menschen Opfer von Ausgrenzung, Intoleranz, Unmenschlichkeit und Gewalt werden zu lassen und alle dazu ermuntern, Mut und Zivilcourage zu zeigen, wenn Missstände dieser Art im Großen oder Kleinen beobachtet werden.

Rund 30 Zuhörer lauschten der Rede von Bürgermeister Paul Wagener und waren sichtlich ergriffen von seinen Worten, mit denen er Schicksal und Leidensweg der jüdischen Familien aus Netphen nachzeichnete.

Die jüdische Familie Faber wohnte in der Sieg-Lahn-Straße 4 (heute Lahnstraße). Zur Familie gehörten Vater Gustav (geb. 28.10.1884), Mutter Clara, geb. Hony (geb. 17.05.1883) und Tochter Anita Ruth (geb. 02.07.1927).

Gustav Faber kam nach dem Ersten Weltkrieg nach Netphen, und der gelernte Metzger arbeitete in der Metzgerei von Meier Hony, dessen Familie seit Generationen in Netphen ansässig war. 1923 heirate Gustav Faber Clara, eine der drei Töchter Hony und übernahm später die Metzgerei von seinem Schwiegervater. Fabers waren angesehene und ehrbare Bürger Netphens und Tochter Anita hatte gute Freundinnen im Ort.

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1936 wurde die Metzgerei von Gustav Faber auf Geheiß der örtlichen Nationalsozialisten boykottiert, Nachbarn und Kunden zogen sich zurück. Die einst geachtete Metzgerfamilie lebte fortan in Isolation und erlebte harte Ausgrenzung. Anita Faber musste die örtliche Schule verlassen, ihre Freundinnen durften nicht mehr mit ihr spielen. Die Eltern schickten ihre Tochter ins israelitische Kinderheim nach Köln.

Gustav Faber wurde nach der Reichspogromnacht am 09. November 1938 verhaftet. Im Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg erlitt er durch Folter Erfrierungen an einem Fuß, infolgedessen ihm später das gesamte Bein amputiert werden musste. Am 22. Dezember 1938 wurde er von dort entlassen. Ein Zeitzeuge, damals Auszubildender bei der Gemeinde Netphen, berichtete Bürgermeister Paul Wagener einmal, dass Gustav Faber bei seiner täglichen Meldung bei der örtlichen Polizei ein Stuhl verweigert wurde.

Kontakte hatten Fabers durch Besuche der Verwandten von Mutter Clara aus Kamen und Plettenberg. Julius Lennhoff (geb. 02.06.1884) und Ehefrau Berta (geb. 24.12.1886), geb. Hony, hatten einen Sohn, Heinz Lennhoff (geb. 19.09.1921). Die Familie hatte eine Metzgerei in Plettenberg. Auch diese Metzgerei wurde 1938 „arisiert“.

Im Januar 1941 zog Familie Lennhoff bei Fabers in Netphen ein. Die Metzgerei mit Grundstück hatte Gustav Faber inzwischen weit unter Wert an die damalige Gemeinde Netphen verkauft und war danach Mieter in seinem ehemaligen Haus. Dort war es eng geworden, denn die Gemeinde hatte Räume an ein Ehepaar vermietet.

Am 29. Juli 1942 wurden Fabers über Dortmund zunächst nach Theresienstadt deportiert und von dort am 29. Januar 1943 nach Auschwitz, wo sie ermordet wurden. Anita Faber wurde nur 15 Jahre alt.

Familie Lennhoff wurde im Februar 1943 von Dortmund aus nach Auschwitz deportiert, und Julius und Berta fanden kurz darauf den Tod. Heinz Lennhoff ist vermutlich Ende 1944 an Hunger und Entkräftung nach Verrichtung von Zwangsarbeit gestorben. Die letzte Postkarte von Heinz datierte vom 17. Oktober 1943.

Auf den Stolpersteinen an der Lahnstraße, die im Dezember 2012 zum Gedenken an die Familien Faber und Lennhoff verlegt wurden, legten Schülerinnen und Schüler des Geschichtsleistungskurses am Gymnasium Netphen in Begleitung ihres Lehrers Joachim Menn als Zeichen von Verbundenheit und Anteilnahme sechs Rosen nieder.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist (aus dem Talmud).“

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